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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 7. September 2006 |
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Teure Zeichensetzung
Der deutsche Schilderwald und seine Kosten Der vermutlich unbeliebteste Wald ist der Schilderwald. Jeder kennt ihn, es gibt etliche Zeichen, die aus Sicht vieler Autofahrer sinnlos und verwirrend angebracht sind. In Deutschland gibt es mehr als 600 verschiedene Verkehrszeichen. Insgesamt sind mehr als 20 Millionen Verkehrsschilder montiert, von welchen die Verbotsschilder laut Andreas Hölzel vom ADAC den größten Anteil haben. Im Schnitt steht alle 28 Meter ein Verkehrsschild.
In einer Antwort der Bundesregierung vom 13. Juli 2004 auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion werden die Kosten für ein normales Standard-Verkehrszeichen inklusive Lieferung, Montage, Aufstellvorrichtung und Fundament mit 120 bis 150 Euro beziffert. In einer Mitteilung des ADAC vom 22. März 2005 heißt es, jedes Schild koste inklusive Mast und Montage sogar bis zu 350 Euro. Diese Zahl bestätigt auch Bernhard Kunz vom Industrieverband Straßenausstattung (IVSt).
Laut Sabine Mehwald vom Bundesverkehrsministerium „ist von einem starken Wettbewerb zwischen den Herstellern auszugehen“. Dieser Wettbewerb soll dadurch gewährleistet sein, daß die Aufträge ausgeschrieben werden. Hölzel sagt, daß „Verkehrszeichen auch oft billiger angeboten werden. Katalogpreise werden dabei um bis zu 50 Prozent unterboten, um den Auftrag zu bekommen.“
Im IVSt sind 31 Lieferanten für Verkehrszeichen registriert, welche die Genehmigung besitzen, öffentliche Verkehrsschilder herzustellen. „Hergestellt werden die Verkehrszeichen von kleinen bis mittelständischen Unternehmen mit 10 bis 300 Mitarbeitern“, sagt Kunz. Trotz der großen Konkurrenz sind die Preise für Verkehrszeichen offenbar immer noch sehr hoch. Kunz erläutert: „Es ist durch die Güteanforderungen an Standardverkehrszeichen für ortsfeste Beschilderung geregelt, welche Materialien verwendet werden müssen und welche Größen und Positionierungen die Schriftzüge und Abbildungen auf den Verkehrszeichen haben müssen. Dadurch entsteht ein sehr uniformes Produkt.“ Außerdem verursache das Material alleine 80 Prozent der Kosten. Jährlich werden beim IVSt mehr als eine Million RAL-Gütesiegel für die Schilder erteilt. Den Höchststand gab es 2001 mit 1,4 Millionen Siegeln, verursacht durch den Mauerfall. Seit 2001 gehen die Zahlen zurück, im letzten Jahr waren es noch 1,25 Millionen Siegel.
Der ADAC schätzt, daß mindestens ein Drittel der Verkehrsschilder in Deutschland überflüssig ist. Seit 1996 setzt er sich für ein „Abholzen des Schilderwaldes“ ein. Bereits 150 Gemeinden hatten sich bis März vergangenen Jahres dieser Initiative angeschlossen und die Zahl der montierten Schilder um bis zu 40 Prozent gesenkt. „Das sogenannte Märchen vom deutschen Schilderwald ist wahr. Im Vergleich zu einigen anderen Ländern in Europa hat Deutschland sehr viele Verkehrsschilder.“ Dieses Problem ist laut Kunz schwer zu beseitigen, da die Verkehrszeichen im Schnitt 15 Jahre stehen. Auch gibt es immer wieder Protest, wenn von der Bevölkerung kritisierte Schilder abmontiert werden, da andere Bürger diese Schilder für wichtig halten; so werden sie ein Jahr später wieder angebracht. Im Schnitt kostet der Abbau eines Schildes zwischen 150 und 200 Euro, da alles fachgerecht beseitigt und die Löcher verschlossen werden müssen. „Die alten Schilder gehen nach Afrika, denn nach dem Wiener Abkommen haben sie dort auch weitgehend dieselbe Bedeutung. Stop ist weltweit Stop“, sagt Andreas Hölzel.
Ein in sieben europäischen Städten eingeführtes Projekt der Europäischen Union heißt „Shared Space“; in Deutschland ist der niedersächsische Ort Bohmte beteiligt. Dort wird versucht, auf den größten Teil der Verkehrszeichen zu verzichten. In der „Shared Space“-Zone gilt für die Autofahrer ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern, um die Fußgänger und Fahrradfahrer weniger zu gefährden, denn alle Verkehrsteilnehmer teilen sich eine Straße. Es gibt keinen Bürgersteig, keinen Radweg und auch keine Ampeln, die Verkehrsteilnehmer sollen sich lediglich auf ihre Sinne verlassen. Weniger ist aber auch hier mehr: Am Ortseingang der teilnehmenden Städte hängt ein neues Schild mit Hinweis darauf, daß dieser Ort am Projekt teilnimmt.
Timm Ahsbahs

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