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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 7. September 2006 |
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Geld kann Schüler versetzen
Sitzenbleiben ist oft bequem und immer teuer. „Über 250000 Sitzenbleiber kosten den deutschen Staat jährlich 1,2 Milliarden Euro“, das entspreche 4800 Euro Mehrbelastung je Schüler, analysiert das Institut der deutschen Wirtschaft. Und es kratzt am Image. So ist es nachvollziehbar, daß die Eltern für private Nachhilfe sorgen. Aber die Schätzungen über die jährlich ausgegebene Summe liegen weit auseinander. Während das Statistische Bundesamt von 4,6 Milliarden Euro ausgeht, schätzt Thomas Momotow von der Nachhilfeagentur Studienkreis „1 bis 2 Milliarden Euro“. Vor 10 bis 15 Jahren gaben Eltern noch insgesamt rund 30 Millionen DM in der Woche aus, wie der Jugendforscher Klaus Hurrelmann herausfand. Das sind rund 800 Millionen Euro im Jahr.
Cornelia Sussieck, Vorsitzende des Bundesverbandes der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen, dem auch der Studienkreis angehört, hält die Nachhilfe für einen zentralen Bereich der Bildung: „Nachhilfe ist ein notwendiger Faktor für das Funktionieren unseres Schulsystems.“ Allerdings nützt die beste Nachhilfe nichts, wenn keine Leistungssteigerung zu bemerken ist. Vor einigen Jahren hat Ludwig Haag, Erziehungswissenschaftler an der Universität Erlangen Nürnberg, die Leistung von 122 Nachhilfeschülern im Zeitraum von neun Monaten mit einer Kontrollgruppe verglichen. Die Nachhilfegruppe verbesserte sich damals deutlich. „Bei einer Förderdauer von mindestens zehn Monaten verbessern sich 90,5 Prozent der Schüler um mindestens eine Note“, meint auch Momotow. In kleinen Gruppen (3 bis 5 Schüler) kostet eine Einheit von 45 Minuten etwa 8 Euro. Allerdings sind die regionalen Preise unterschiedlich, da die Niederlassungen des Studienkreises von selbständigen Inhabern geleitet werden. In den vergangenen Jahren wurde „im Jahresdurchschnitt mit 65000 bis 70000 Schülern ein Marktumsatz von 75 bis 80 Millionen erzielt“, erklärt Momotow. Die Quote der Nachhilfeschüler ist kräftig gestiegen. Inzwischen habe jeder vierte Schüler schon einmal bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen, stellte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin Ende 2005 fest.
Die Stiftung Warentest ermittelte in diesem Jahr monatliche Kosten für zweimal 90 Minuten Unterricht in der Woche von 99 bis 146 Euro. Sowohl der tiefste als auch der höchste Wert wurde beim Studienkreis festgestellt. Die Nachhilfeinstitute sind nicht vom Lehrermangel an deutschen Schulen betroffen. In den Instituten sind „Referendare, pensionierte Lehrer, Fachleute aus der Wirtschaft und Studenten höherer Semester tätig“, erklärt der Verband.
Jan-Christoph Bohnerth

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