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Wie man Trauben liquidiert

Die marktführende Weinkellerei kommt von der Mosel. Sie beliefert viele Supermärkte.

F.A.Z.

5.05.2017

Tobias Oltmanns

GZE, Bad Zwischenahn

Ein Bundesbürger konsumiert nach Angaben des Deutschen Weinbauverbands durchschnittlich 25 Liter Wein im Jahr. Wein ist nach Bier das zweitbeliebteste alkoholische Getränk im größten Weinimportland der Welt. Im Laufe der Zeit hat er aufgeholt. Lange war Bier das Volksgetränk, und Wein galt als teuer und elitär. Das zu ändern war das Ziel des Mosel-Winzers Peter Mertes, des Gründers und Namensgebers der Peter Mertes KG mit Hauptsitz in Bernkastel-Kues an der Mittelmosel. Er wollte mehr Menschen für den Wein begeistern und für jeden zugänglich machen. „Als erste deutsche Weinkellerei hat Peter Mertes bereits in den sechziger Jahren angefangen, die damals entstehenden Selbstbedienungsläden mit Weinen auszustatten“, berichtet Matthias Willkomm, einer der vier Geschäftsführer der Peter Mertes KG.

Inzwischen sei das Unternehmen zur in Deutschland marktführenden Weinkellerei und zum führenden Bio-Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel herangewachsen. Zu den bekanntesten Markenweinen gehören „Rotwild“, „Maybach“, „Lieblingswein“ und „Landlust“. Verkauft wird auch der einstige deutsche Weinexportschlager „Liebfrauenmilch“.

Trauben und Weine bezieht das Unternehmen hauptsächlich von Vertragswinzern und Erzeugergemeinschaften. An der Mosel arbeitet man zum Beispiel mit einem regionalen Zusammenschluss zusammen, der mehr als 200 Winzerbetriebe umfasst, die insgesamt eine Rebfläche von 1900 Hektar bewirtschaften. Auch auf Familienweingütern werden auf eigenen Rebflächen Trauben angebaut. In ganz Deutschland werden rund 100000 Hektar Anbaufläche bewirtschaftet.

Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 350 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 330 Millionen Euro bei einer Füllkapazität von jährlich bis zu 250 Millionen Einheiten. Man beliefert sowohl Inlandskunden wie Rewe, Edeka, Aldi und Lidl als auch den ausländischen Einzelhandel, zum Beispiel Coop und Walmart. Der Export macht 40 Prozent des Absatzes aus.

Das Unternehmen sei dem Wunsch der Verbraucher nachgekommen und habe von Bio auf Bio-vegan umgestellt, berichtet Pressesprecherin Christina Lucia Barg. Während der Anbau der Trauben auch auf konventionellem Wege vegan ist, werden in der Verarbeitung tierische Produkte eingesetzt. Eiklar oder Gelatine werden zum Beispiel verwendet, um Trübstoffe zu binden. Diese Bindemittel werden in der Herstellung von veganem Wein durch pflanzliche Alternativen ersetzt.

Deutschlands größter Bioweinlieferant unterstützt zudem Weinbauern, die auf Ökoweinbau umstellen wollen, wie Geschäftsführer Willkomm berichtet. Der biologische Anbau von Wein erfahre in den vergangenen Jahren einen Aufschwung, von 2010 bis 2015 habe sich die Anbaufläche für Biowein mehr als verdoppelt und mache nun rund 7 Prozent der Gesamtfläche aus.

Eine Flasche Maybach kostet rund 4Euro, die Preise anderer Weine bewegen sich in einem ähnlichen Spektrum. Zu den Konkurrenten gehören die Rheinberg Kellerei, die Kellerei der Edeka-Gruppe sowie Zimmermann-Graeff & Müller. „Deutsche Weine stehen zurzeit hoch im Kurs und wachsen noch deutlicher als früher, aber auch der Markt für Weinmischgetränke erfährt ein gutes Wachstum“, sagt Willkomm und blickt zuversichtlich in die Zukunft. 

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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