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Sie grasen die Nachbarschaft ab

Bei Gartenzauberwerk erledigen Studenten und Schüler Gartenarbeiten, für die keine professionelle Ausbildung notwendig ist, und das zu einem günstigen Preis.

F.A.Z.

5.05.2017

Vanessa Boldt

Gymnasium Ohmoor, Hamburg

Stellen Sie sich Ihre Oma vor, die noch recht fit ist. Ihre Rosen kann sie noch pflegen, aber beim Rasenmäherschieben wird es schon schwierig, und spätestens beim Tragen der schweren Laubsäcke hört es auf.“ So beschreibt Nikolai Krebs, der Geschäftsführer der Comgatus UG und Gründer der Marke Gartenzauberwerk, was er sich zur Aufgabe gemacht hat. Gegründet wurde das Franchiseunternehmen 2014 in Hamburg. Seine Zielgruppe sind vor allem Senioren, Familien und Berufstätige, die es nicht schaffen, ihren Garten in einem gepflegten Zustand zu erhalten, und preiswerte Unterstützung benötigen. Studenten und Schüler übernehmen leichte Gartenarbeiten, für die keine professionelle Ausbildung notwendig ist. Sie sind legal beschäftigt und versichert. Die Kunden bezahlen weniger als für einen professionellen Gärtner.

Gartenzauberwerk verfügt über 15 Geschäftsstellen in ganz Deutschland. Jede deckt einen Radius von gut 30 Kilometern ab. „Flächenmäßig sind wir in Deutschland bereits der größte Gartenpflegedienstleister“, sagt Krebs. Insgesamt erwirtschaftete man 2016 nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 1 Million Euro und beschäftigte etwa 250 Mitarbeiter. Diese Zahl soll im laufenden Jahr auf 600 steigen.

Der Geschäftsführer berichtet von einer hohen Fluktuation der Mitarbeiter, was vor allem daran liege, dass viele die Tätigkeit im Nebenjob ausübten. Die Rekrutierung von zuverlässigen Arbeitskräften sei insgesamt schwierig. Deshalb möchte sich Krebs auch in Spanien und anderen Ländern mit hoher Erwerbslosigkeit umsehen. „Es gibt heutzutage die super ausgebildeten, jungen Menschen, die utopische Gehälter verlangen und möglichst früh Feierabend machen wollen“, klagt er. Oder es gebe die Menschen, die nicht belastbar seien und nach nur einer negativen Rückmeldung hinschmissen. Krebs sucht Personen, die genau dazwischen sind.

„Wenn gut gearbeitet wird, bin ich ganz locker, aber wenn schlechte Arbeit abgeliefert wird, kann ich sehr streng werden“, sagt Krebs. Auf der Internetseite des Unternehmens können sich Gartenbegeisterte ab 16 Jahren, die einige Vorkenntnisse mitbringen, bewerben. Dass die Mitarbeiter das Geschäft nach einem Auftrag privat regelten, lasse sich nicht verhindern, sagt Krebs, sei aber kein wirkliches Problem. Rund 95 Prozent der Kunden sind Privatkunden.

Tätigkeiten wie Rasenmähen, Unkrautjäten und Heckenschneiden sind besonders gefragt und im Junior-Tarif enthalten. Dieser Tarif ist der günstigste und mit einem Anteil von rund 80 Prozent auch der am häufigsten gebuchte. Angelernte Kräfte führen einfache Tätigkeiten aus. Der Kunde zahlt 22 bis 25 Euro je Stunde, die Mitarbeiter erhalten zwischen 8,50 und zwölf Euro. Zum Senior-Tarif bucht man Kräfte mit mehr Erfahrung. Es kann sich um einen Fliesenleger oder anderen Handwerker handeln. Demnächst soll es einen Profi-Tarif geben für qualitativ hochwertigere Aufträge. Comgatus will dabei mindestens 10Prozent günstiger anbieten als Konkurrenten; in der Branche herrscht ein harter Preiswettbewerb. Das Geschäftsmodell mit den unterschiedlichen Tarifen ist nach eigenen Angaben in Deutschland einmalig. In Amerika gebe es ähnliche Modelle. Gartenzauberwerk plant, nicht nur ins europäische Ausland zu expandieren, sondern auch nach Nordamerika.

Man sei schnell gewachsen, was auch daran liege, dass der Garten als Ort des seelischen Ausgleichs im Trend liege. „Der Garten ist das neue Wohnzimmer“, sagt Michael Marrett-Foßen, der Geschäftsführer des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg. Nach Angaben des Bundesverbandes erwirtschafteten 2015 fast 17000 Garten- und Landschaftsbaubetriebe in Deutschland einen Umsatz von rund 7Milliarden Euro; fast 3 Milliarden Euro mehr als vor zehn Jahren.

Dominik Schulte ist Kunde von Gartenzauberwerk. Die Mitarbeiter haben die Rasenfläche neu modelliert, ein Beet angelegt und den Rasen gemäht. „Man sieht natürlich, dass sie keine gelernten Garten- und Landschaftsbauer sind“, sagt er, „aber für mein Vorhaben war das absolut ausreichend.“

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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