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Sie bringen das Becken zum Schwingen

Wellenmaschinen von Köster unterstützen Surfer genauso wie Meeresforscher.

F.A.Z.

6.04.2017

Moe Schulz

Johanneum zu Lübeck, Lübeck

Schnell noch Luft holen und dann der Sprung ins kühle Nass. Sofort drücken Wassermassen den Kopf unter Wasser; der Rettungsschwimmer versucht, die Rettungsleine zu erreichen und den Geretteten ins Boot zu hieven. Das ist Alltag in der Rettungsübungshalle des Einsatzausbildungszentrums Schadensabwehr der Marine in Neustadt, Schleswig-Holstein. Doch wie kommen realistische Wellen in das Becken? Dafür sorgen Wellenmaschinen der Friedrich Köster GmbH & Co. KG; das Familienunternehmen hat seinen Hauptsitz in Heide, Dithmarschen, und beschäftigt rund 270 Mitarbeiter. Köster ist vor allem auf Pumpen und Seilwinden sowie Stahlwasserbau spezialisiert. Seit 1968 engagiert man sich zudem in der Bädertechnik, zu der die Wellenmaschinen gehören.

Die erste Maschine wurde Anfang der sechziger Jahre hergestellt – für die betriebsinterne Ferienhaussiedlung. Die erste Wellenmaschine wurde 1968 montiert. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 40 Millionen Euro, die Bädertechnik trägt dazu etwa eine Million bei, wie Christian Bendzuck, der Leiter der Abteilung Bädertechnik, berichtet. Von den Wellenmaschinen wurden rund acht in den vergangenen zehn Jahren hergestellt. „Eine Wellenmaschine von Köster soll gerne vierzig Jahre halten“, betont Bendzuck. In den sechziger Jahren hatte das Unternehmen nur mechanische Maschinen im Angebot. 1997 begann man, pneumatische Maschinen zu produzieren. Damit sei man der einzige Hersteller auf der Welt, der „nach zwei unterschiedlichen physikalischen Prinzipien Bewegung ins Wasser“ bringe. „Das ist Sondermaschinenbau in reinster Form, wenn eine Maschine bis auf den Millimeter angepasst wird, für genau einen Kunden, an genau seine baulichen und geometrischen Schnittstellen“, erklärt Bendzuck. Die kleinste Maschine kostete 120000, die größte 480000 Euro.

Die Wellen werden zum einen pneumatisch – mit Druckluft – hergestellt: Mit Hilfe von Kompressoren und beweglichen Klappen wird rhythmisch Luft in die Wellenkammern gepresst, um dort das Wasser in Wallung zu bringen. Diese Maschinen sind einfach zu installieren und günstiger, weshalb sie in den Wellenbädern geläufig sind. Zum anderen produziert man mechanische Maschinen. Sie kann man sich als mehrere enorme Paddel vorstellen, die an einem Gelenk unter Wasser fixiert sind und hin- und herschwingend die Wellen erzeugen. Eine andere, nicht von Köster stammende Konstruktion beschert Surfern einen wilden Ritt auf der Welle, zum Beispiel im Baskenland, wo sich die weltweit erste Surflagune im Inland befindet. Es gibt keine regelmäßigen Wiederholungen; ein Unterwasserpflug fährt an einer Schiene hin und her.

Wellenmaschinen werden auch in der Meeresforschung benötigt. Denn für die Erforschung der Wellenbewegungen reichen Computersimulationen nicht aus, wie Marina Gebert von der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik in Lübeck erklärt. Dort besitzt man auch eine Wellenmaschine von Köster. Physikalische und chemische Parameter wie Wasserdruck und Salinität seien schwer in einer Simulation nachzuahmen. Auch seien Wellen dermaßen komplexe Bewegungsvorgänge, dass die zu messenden Daten den Datensammler überrollen würden.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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