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Lauter laute Laute

Zöllner ist Weltmarktführer für Signalhörner

F.A.Z.

16.12.2016

Songül Karadeniz

Tannenbusch-Gymnasium, Bonn

Die Zöllner Signal GmbH aus Kiel ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer auf dem Markt für akustische Signalanlagen für die Schifffahrt. „Wenn zum Beispiel ein Schiff durch einen Kanal oder auf hoher See fährt, dann ist das Signalhorn ein sicherheitstechnisch wichtiges Teil an Bord, und wenn das nicht funktioniert, wird das Schiff an die Kette gelegt“, erklärt Geschäftsführer Philipp Murmann. „Der Marktanteil im Schifffahrtsgeschäft liegt bei 25 Prozent“, sagt Vertriebsleiterin Karin Pioske. Zöllner konkurriere hauptsächlich mit Unternehmen in Asien, Japan und Korea. „Es gibt keine Konkurrenz in Deutschland.“

„Zöllner Hörner waren mit Beginn des Wiederaufbaus nach dem Krieg erhältlich und konnten sich im stark wachsenden Schiffbau in Europa sehr gut etablieren“, berichtet Pioske. In den ersten zwei Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs habe es große technische Fortschritte gegeben. „Und es wurden für die Schifffahrt internationale Regeln eingeführt.“ Zöllner stellte vom Dampf- auf Druckluftbetrieb um und entwickelte die ersten elektrisch betriebenen Hörner.

Als sich der Schiffbau allmählich nach Asien verlagerte, engagierte sich Zöllner auch dort, vor allem in China und Korea. Hörner wurden auf den ersten für Europa bestimmten Neubauten in China eingebaut. Ende der neunziger Jahre entwickelte man dann ein Schallempfangsgerät, das die akustische und optische Wiedergabe von Warntönen anderer Schiffe auf der Brücke ermöglicht. „Diese Geräte sind seit 2002 für einen Großteil der Seeschiffe vorgeschrieben“, sagt Pioske. Inzwischen fertige man auch Signalhörner für luxuriöse Megajachten.

Produkte des Unternehmens findet man auch auf Kreuzfahrtschiffen. Für sie hat es den „Typhon“ entwickelt, der einen außergewöhnlich tiefen Ton ausstößt. „Nachdem der Kreuzfahrtbereich immer größer wurde, gab es den Wunsch, Schiffen einer Reederei einen speziellen Sound zu geben, einen Dreiklang aus 70 Hertz, 90 Hertz und 110 Hertz“, erklärt Pioske. Die Typhone kosteten einige tausend Euro je Anlage. Die auf Kreuzfahrtschiffen verwendeten Hörner unterschieden sich lediglich in der Endausführung. „Sie bekommen eine spezielle Oberflächenbearbeitung und werden meistens weiß lackiert.“ Im Luxusjachtbereich verkaufe man Hörner aus hochglänzendem Edelstahl oder mit einer speziellen Verchromung.

Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften zum Beispiel in Großbritannien, Polen, Spanien, Frankreich, Brasilien und Australien. In Kiel sind etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt. Der Exportanteil liegt „tendenziell bei 50 Prozent, manchmal aber auch darüber“, sagt Murmann. Exportiert wird vor allem nach China, Korea, Singapur, Russland, in die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate und in die Türkei.

Besonders stark gewachsen sei aber der Bereich Lok, sagt Murmann. Automatische Warnsysteme warnen Arbeiter auf Gleisbaustellen vor heranfahrenden Zügen auf dem Nachbargleis. „Man kann ein kleines Horn für Loks für ungefähr 150 bis 200 Euro kaufen, während ein automatisches Warnsystem für Gleisbaustellen, das aus vielen Komponenten besteht, bei 200000 Euro liegen kann“, berichtet Murmann. Nach seinen Angaben liegt der gesamte Jahresumsatz einschließlich Tochtergesellschaften bei 25 Millionen Euro. Im Schifffahrtbereich hat das Unternehmen mit einer negativen Entwicklung in Asien, speziell in China, zu kämpfen.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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