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Eine Rosskur für rüstige Rentner

Ein hessisches Unternehmen zeigt: Was für Pferde gut ist, eignet sich auch für Menschen

F.A.Z.

5.01.2017

Hanna Raabe

Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

Pferde und Menschen haben bei physischer Belastung vergleichbare Beschwerden“, sagt Petra Haze, ehemals praktizierende Tierärztin und nun Außendienstmitarbeiterin der MSD Sharp & Dohme GmbH, eines der größten Pharmaunternehmen in Deutschland. Kann daraus gefolgert werden, dass, was Pferden hilft, auch bei Menschen wirkt? Die Leovet Dr. Jacoby GmbH & Co. KG hat sich seit gut 34 Jahren auf die Gesundheit des Pferdes spezialisiert. Gegründet wurde sie von dem Pharmazeuten Ulf Jacoby. 1974 übernahm er in Lahnau nahe Wetzlar die Apotheke seiner Eltern und beschäftigte sich gleichzeitig mit seinen Pferden und dem Turnierreiten.

Jacoby beobachtete die Pferde intensiv und erprobte schließlich ein Gel, um das Pferdebein nach anstrengender Bewegung zu regenerieren. Dieses Gel – später wurde es „Cold Pack“ genannt – hat zuerst einen kühlenden und dann wärmenden Effekt, was zur besseren Durchblutung und dadurch zur Entspannung der Muskulatur führt. Immer öfter baten Reiterfreunde Jacoby um Rat – und um seine heilsamen Produkte. 1982 gründete er Leovet in seiner Apotheke. Nach dem Umzug in größere Geschäftsräume, dem Ausbau der Forschung und Entwicklung sowie dem Beginn einer Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität in Gießen spezialisierte sich Leovet komplett auf Pferdepflegeprodukte. Im Laufe der Zeit vergrößerte das Unternehmen sein Sortiment, weil die Nachfrage stetig stieg.

Leovet kooperiert mit dem bekannten Springreiter Christian Ahlmann; er ist auch Markenbotschafter des Unternehmens. „Er hatte die Idee, da er auch Cold Pack benutzte, dass Leovet eine nicht abwaschbare Salbe entwickeln sollte. So ist Cellsius, ein nicht erwärmendes Gel, entstanden, das auch durch Nassmachen der Beine nicht vom Fell runterläuft“, berichtet Tanja Bodenbender, Verkaufsleiterin für Deutschland. Auch andere Reiter wenden sich an das Unternehmen, wenn sie neue Produkte haben wollen. „Unser Laborleiter entwickelt daraus dann ein Produkt“, sagt Bodenbender.

Immer mehr Kunden kauften die Pferdesalben für sich selbst

Und es stellte sich heraus: Was für die Pferde gut war, war auch für Menschen geeignet. Wer das für Pferde Gedachte zuerst an sich selbst ausprobiert hat, wird aber ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls kauften immer mehr Kunden die Salben für sich selbst. „Reiter haben gemerkt, dass, wenn es ihnen in der Schulter oder im Rücken weh tut, die Pferdesalbe gar nicht so schlecht ist, weil sie die Muskulatur entspannt“, erklärt Bodenbender.

Wegen der wachsenden Nachfrage gründete Jacoby eine Abteilung, die ausschließlich Salben für Menschen entwickelte. Die Apothekers Original Pferdesalbe gibt es seit 2004 in deutschen Apotheken zu kaufen; vertrieben wird sie von der Equimedis Dr. Jacoby GmbH & Co. KG. 100 Milliliter kosten je nach Packungsgröße zwischen 1,60 und 2,50 Euro. Die Salbe sei das Vergleichsprodukt zu Cold Pack, sagt Bodenbender. Sie weise inhaltlich nur feine, aber geheime Unterschiede auf. Auch der achtzig Jahre alte Medizin- und Sportsoziologe Dieter Voigt von der Ruhr-Universität Bochum verwendet neben Murmeltieröl die Pferdesalbe des Unternehmens. „Das Produkt hilft mir bei Muskelkater und beugt ihm vor. Außerdem hat die Salbe eine kühlende und erfrischende Wirkung. Ich wüsste im Moment hierfür kein besseres Pflegemittel.“

Im Bereich der Pferdepflege führt Leovet etwa sechzig Erzeugnisse; darunter befinden sich Mittel zur Glanzpflege, zur schnellen Regeneration nach sportlicher Belastung, zum wirksamen Insektenschutz, zur Huf- und Strahlpflege, zur Fellpflege sowie Ergänzungsfutter und Wundpflegemittel. 500 Milliliter Cold Pack kosten knapp 14 Euro. Im Humanbereich umfasst das Angebot inzwischen vier Artikel. Außer der ersten Pferdesalbe gibt es eine Sport-, eine Erholungs- und eine Wärmesalbe.

Verkaufsschlager vor allem bei älteren Menschen

Das Unternehmen zählt etwa 65 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben ist man in Deutschland im Bereich Pferdepflege Marktführer mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent. Der Umsatz lag 2016 nach Angaben Bodenbenders bei 2 Millionen Euro. Der Absatz steige kontinuierlich. Man verkauft an rund 1000 Fachhändler. „Leovet ist eine der Hauptmarken, und vor allem das Cellsius ist gerade im Kommen“, sagt Bodenbender. Die Pferdesalbe sei nach wie vor der Verkaufsschlager bei den älteren Leuten. „Es kommen ganz viele Rentner hierher, die sie für sich und nicht für das Pferd kaufen.“

Man sei im europäischen Ausland bekannt und breite sich nun in der ganzen Welt aus; neue Märkte seien Südafrika, die Mongolei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Iran, Neukaledonien, Russland, Taiwan und Thailand. „Seit September 2016 werden die Produkte auch in Amerika vertrieben“, berichtet Bodenbender. Doch die Konkurrenz schlafe nicht; das gelte für allem für die für den Menschen entwickelte Pferdesalbe. 

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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