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Boxen mit Feingefühl

Lautsprecher von Nubert beschönigen nichts. Musikliebhaber schätzen das.

F.A.Z.

24.03.2017

Anna-Maria Simor

Parler Gymnasium, Schwäbisch Gmünd

Können Lautsprecher lügen? Ja, findet Markus Pedal. Der Entwickler der Nubert Electronic GmbH in Schwäbisch Gmünd erklärt: „Manche Lautsprecher haben mit ehrlicher Klangwiedergabe wenig zu tun.“ Bei Lautsprechern von Nubert werde hingegen nichts „dazugemogelt“. „Wir sind der Meinung, man soll hören dürfen, wenn die Musik qualitativ nicht gut ist.“ Nubert bezeichnet seine Produkte als ehrliche Lautsprecher. Sie wandeln elektrische Signale möglichst verlustfrei in akustische um und geben Musik so wieder, wie sie aufgezeichnet wurde. Nichts wird beschönigt. Für manche Fachleute sind die Lautsprecher von Nubert ein Geheimtipp. In Tests belegen sie nicht selten vordere Plätze.

„Ein idealer Lautsprecher hat einen glatten Frequenzverlauf. Das heißt, er gibt alle Töne zwischen 20 und 20000 Hertz – der theoretische menschliche Hörbereich – gleich laut wieder. Das klingt aber, wenn man nur kurz zuhört, oft wenig spektakulär, sogar blass oder langweilig“, erklärt Rüdiger Steidle, der für die Öffentlichkeitsarbeit von Nubert zuständig ist. Ein oft angewendeter Trick sei, Lautsprecher so zu bauen, dass sie Bässe und Höhen lauter wiedergäben. Das werde spontan als lebendig und interessant empfunden. „Auf Dauer funktioniert das meist nicht, denn oft wird dadurch der Bass zu stark und verzerrt, oder die Höhen klingen scharf und schneidend.“

Als Günther Nubert begann, konnte er sich wahrscheinlich nicht vorstellen, einmal einen Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro zu erzielen und achtzig Mitarbeiter zu beschäftigen. „Wir haben damals unser Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt Roland Spiegler, der das Unternehmen 1975 zusammen mit Nubert gründete. Der baute schon Ende der sechziger Jahre Verstärker und fing irgendwann an, Lautsprecher in der Garage zu bauen. Spiegler hatte bereits während des Studiums ein kleines Gewerbe: Er verkaufte HiFi-Geräte. „So haben wir uns zusammengetan: er, das Elektronikgenie, ich, der Organisator“, sagt Spiegler. „Da ging es immer darum, woher man die nächsten 500 DM kriegt.“

Von einem konkreten Plan für die Entwicklung eines Unternehmens hält Spiegler wenig. „Ich habe ein Problem mit Zukunftsvisionen. Die Welt kann von heute auf morgen irgendein Unglück erleiden.“ Als Beispiel nennt er das Hochwasser vom Mai 2016. Von diesem Moment an sei jeder Plan für das nächste Jahr dahin gewesen. Durch das Hochwasser entstand der Nubert GmbH ein Schaden von 2,5 Millionen Euro zuzüglich des wochenlangen Umsatzausfalls wegen des ausbleibenden Verkaufs.

Seit 1975 verkauft man im Direktvertrieb, also nicht über den Handel. „Davon profitiert das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir können viel wertigere Bauteile in unsere Boxen reinstecken und können uns den Luxus leisten, hier in Deutschland zu fertigen“, erklärt Spiegler. Die Preise liegen dabei laut Miro Micklitz, dem Produktionsleiter von Nubert, zwischen 120 und 2500 Euro je Lautsprecher. 90 Prozent werden in Deutschland verkauft. Exportiert wird nach Österreich, in die Schweiz und in die Niederlande. 2015 wurden rund 55000 Lautsprecher abgesetzt, 5000 mehr als im Vorjahr. 2016 sollen es ähnlich viele sein.

„Die Zeit bringt eine große Wandlung im Musikhören mit sich“, sagt Entwickler Pedal. Der Kunde erwarte mehr als nur Musik, der Lautsprecher müsse auch eine gewisse Intelligenz besitzen. Man müsse zudem auf das Design von modernen Wohnungen eingehen. „Kleine, elegante Lautsprecher setzen sich besser ab als große, plumpe Modelle.“ Der klassische Kunde ist laut Spiegler „36 Jahre aufwärts und Intensivhörer“. Dass zunehmend im Internet gekauft wird, wirkt sich auch auf Nubert aus. „Viele Leute, die früher im Ladengeschäft oder Ladenlager gearbeitet haben, sind in der Zwischenzeit im Boxenversand tätig.“ 

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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