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Weitblick zahlt sich aus

Marktführer Bresser liefert Fernrohre in die ganze Welt.

F.A.Z.

6.07.2017

Servet Solmaz

Alfred-Krupp-Schule, Essen

Der Mensch will wissen, was außerhalb der Erde vor sich geht. Dabei helfen ihm Produkte der Bresser GmbH aus Rhede in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen bietet seit mehr als sechzig Jahren Teleskope, Mikroskope, Ferngläser, Nachtsichtgeräte, Spektive und Wetterstationen an. Mit seiner breit aufgestellten Produktpalette, die aus rund 2500 Artikeln besteht, ist es Marktführer in Europa, wie der Geschäftsführer Helmut Ebbert sagt. „Wir bedienen nahezu alle Formen des Handels, vom Foto- und Optikfachhändler über Spezialisten bis hin zu Kaufhäusern und Online-Händlern.“ Bresser wurde 1957 gegründet. Der Gründer Josef Bresser fand durch eine Anzeige einen japanischen Hersteller, der auf der Suche nach einem Vertriebspartner in Europa war. Man wurde sich handelseinig, und Bresser war einer der Ersten, der im großen Stil Qualitätsferngläser anbot. Inzwischen beliefert das Unternehmen, das 75 Mitarbeiter beschäftigt, jeden Kontinent. Betriebsbedingte Entlassungen habe es noch nie gegeben.

Nach Ebberts Angaben beträgt der Exportanteil 80 Prozent. Der Umsatz habe im vergangenen Jahr bei 34 Millionen Euro gelegen. „Das war der höchste Umsatz der Firmengeschichte“, sagt Ebbert. Man sei auch durch Zukäufe im In- und Ausland gewachsen. Die Preisspanne der Bresser-Teleskope ist groß: von 30 bis 10000 Euro. Verkauft werden in diesem Bereich 160 Produkte. Die Kunden sind vor allem Fortgeschrittene und Spezialisten.

Die Digitalisierung spielt auch für Bresser eine Rolle: Produkte werden mit dem Internet und dem Smartphone verbunden. Ein wichtiges Produkt sei das Teleskop Stellar 60/800. Es ist ein Einsteigermodell und kostet rund 110 Euro. Der Einsatz beschränkt sich aber auf die Beobachtung von Planeten, den Mond und einzelne Sternenhaufen. Der Aufbau und die Handhabung sind durch die „azimutale“ Montierung relativ einfach. Die azimutale Montierung ist eine Fernrohrmontierung, bei der die eine Drehachse senkrecht auf der Horizontebene steht. Das Schwenken um diese Achse bewegt das Fernrohr im Azimut: um die senkrechte Achse. Die zweite Achse ist parallel zur Horizontebene gelagert und erlaubt die Höheneinstellung des Fernrohrs.

Ein Adapter ermöglicht die Befestigung des Smartphones direkt am Okularauszug des Teleskops. Dadurch wird die Wackelei mit der Hand vermieden, und die Astrofotos mit dem Handy führen zu atemberaubenden Bildern von Sonne, Mond und Sternen.

Der wichtigste Zulieferer der Bresser-Produkte ist der Gesellschafter und chinesische Optikhersteller, Guangzhou Jinghua Precision Optics, mit Produktionsstätten in Guangzhou und Kunming in China. Produziert wird nicht nur in der Volksrepublik, sondern auch in Taiwan, Südkorea, Japan, Litauen, Ungarn, England und in den Vereinigten Staaten, teilweise in eigenen Fabriken.

Das frühere Familienunternehmen Bresser wurde 1999 an den amerikanischen Weltmarktführer Meade Instruments Corp. verkauft. 2009 haben es Rolf Bresser, Guangzhou Jinghua und Geschäftsführer Ebbert für 9,4 Millionen Euro zurückgekauft. Heute halten Guangzhou Jinghua und Ebbert die Geschäftsanteile. Seit dieser Wiedererlangung der Unabhängigkeit hätten Forschung und Entwicklung eine größere Bedeutung bekommen. 25 Prozent des Umsatzes werde mit neuen Produkten erwirtschaftet.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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