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Viele wollen Möbel nicht wie gewohnt

Das junge Unternehmen Okinlab ermöglicht die Gestaltung von Unikaten für komplizierte Räume.

F.A.Z.

8.06.2018

Hannah Kaiser

Siebenpfeiffer-Gymnasium, Kusel

Dieser Schwierigkeit sind viele schon begegnet: Die Decken sind zu hoch, der Raum ist zu schmal, die Tür ist im Weg. Eine Lösung könnte „form.bar“ sein, eine Marke des jungen Saarbrücker Unternehmens Okinlab GmbH, das Nikolas Feth und Alessandro Quaranta 2013 gegründet haben. Ihr Ziel: Wohnraum soll optimal ausgenutzt werden. Form.bar ist eine Online-Plattform, auf der Möbel an die Wohnsituation des Kunden anpasst werden; die Nutzer werden zu den Designern ihres Möbelunikats. „Die Art, wie wir wohnen, wie wir Möbel beziehen und wie wir sie produzieren, wird sich komplett verändern“, ist Nikolas Feth überzeugt.

Die Idee entstand durch Zufall. Diplomkaufmann Alessandro Quaranta wurde während seiner Zeit als Dozent an der Universität des Saarlandes mit der Einrichtung eines schmalen Ladens beauftragt. Es schien unmöglich, den Raum voll auszunutzen. Hilfe fand Quaranta bei seinem alten Schulfreund Nikolas Feth. Der experimentierfreudige Architekt integrierte alle Ausstattungsmittel in ein geschwungenes Regalsystem, das sich den räumlichen Gegebenheiten anpasste.

Was sich kompliziert anhört, ist recht simpel. Der Kunde passt über den 3D-Online-Konfigurator ein Möbelstück an seine Bedürfnisse und räumlichen Gegebenheiten an. „Ein Algorithmus sorgt dafür, dass sich die Proportionen der einzelnen Elemente harmonisch verändern und das Möbelstück immer gut aussieht“, erklärt Feth. Wo zum Beispiel an Platz gespart werden muss, kann das Möbelstück mit Hilfe des Konfigurators verschmälert werden. „So wird viel Material eingespart, und das spiegelt sich auch im Preis wider“, führt Feth weiter aus. Wenn der Kunde auf den Bestellknopf drückt, wird der Datensatz an einen Schreiner in seiner Umgebung weitergeleitet. „30 Prozent der Schreiner besitzen eine sogenannte CNC-Fräse, mit der man geschwungene Möbelstücke ganz einfach herstellen kann“, erläutert Feth. Der Aufbau sei wegen eines Stecksystems meistens leicht zu bewältigen. „Die Maschinen der Schreiner werden oft nicht voll ausgenutzt. Die Zusammenarbeit mit Okinlab steigert somit deren Auslastung“, sagt Feth. „Und wir haben so die Möglichkeit, flexibler auf Nachfragen zu reagieren.“

Kleine Kommoden können ab etwa 200 Euro erworben werden; das bisher teuerste Regal kostete rund 8000 Euro. „Im Durchschnitt geben Kunden bei uns etwa 1200 Euro für ihr Unikat aus“, sagt Quaranta. Zu den Kunden zählen auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten. Für Kindergärten werden zusammen mit den Erziehern Einrichtungskonzepte und Möbel entwickelt. So wurden Stehwickeltische entworfen, die die Interaktion zwischen Erzieher und Kind fördern sollen. „Mit einer Schule in Solingen haben wir ein Projekt laufen, bei dem die Schüler selbst die Einrichtung ihrer neuen Bibliothek planen.“

2017 akquirierte Okinlab mehr als 1000 Kunden. „Auch in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und in England konnten wir Kundenaufträge verzeichnen. Unser Ziel für 2018 ist neben der Erweiterung der Produktpalette insbesondere die weitere Internationalisierung.“ Man habe etwa fünfzig Schreiner im Netzwerk und mehr als 200 Anfragen von Schreinern, die kooperieren wollten. Das Ziel sei, dass jeder Kunde in maximal einer Stunde Entfernung einen Schreiner finde.

Ein seit Oktober 2017 kooperierender Schreinerbetrieb ist die im saarländischen Wadern ansässige Tischlerei Lauer. „Es ist ein lockeres Zusammenspiel zwischen uns und Okinlab“, berichtet Matthias Lauer. Bisher konnte seine Tischlerei rund 25 Form.bar-Aufträge verzeichnen. Sie machten in dem ersten halben Jahr der Zusammenarbeit einen Anteil von etwa 5 bis 10 Prozent am Umsatz aus. Einfach herzustellen seien die individuellen Möbelstücke nicht. „Man muss sich wirklich damit auseinandersetzen.“

Das Konzept der Formfindung mittels des 3D-Online-Konfigurators ist nach Angaben der Gründer zum Patent angemeldet. Die für den Algorithmus benötigte Kompetenz stammt aus Feths Zeit als Student und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, zum Beispiel aus Forschungen zum Thema Bionik.

„Unser Unternehmen ist bisher jedes Jahr um mehr als 100 Prozent gewachsen“, berichtet Quaranta. Konnte Okinlab 2015 einen Umsatz im sechsstelligen Bereich verzeichnen, befand er sich 2017 im unteren siebenstelligen Bereich. Für 2018 erwartet das Unternehmen, das 17 Mitarbeiter beschäftigt, abermals eine Verdopplung.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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