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Teenager putzen nichts weg

Der Marktführer für Schuhzubehör trotzt dem Sneaker-Boom.

F.A.Z.

3.05.2018

Emily Mrozek

Gymnasium Ohmoor, Hamburg

Die BNS Bergal, Nico & Solitaire Vertriebs GmbH stellt Schuhfurnituren her. Seit 2000 produziert und vertreibt das Mainzer Unternehmen Pflegeprodukte und Zubehör für Schuhe – sogenannte Furnituren – und ist nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland. Aufgrund des Zusammenschlusses der Unternehmen Bergal, Nico und Solitaire hat sich das Sortiment in den vergangenen 17 Jahren auf bis zu 10000 Produkte verdoppelt. BNS beschäftigt gut 60 Mitarbeiter und beziffert seinen Jahresumsatz auf rund 40 Millionen Euro. Man verkauft in gut siebzig Länder; doch rund 80Prozent des Umsatzes erwirtschaftet man in Deutschland. BNS hat wenige direkte Konkurrenten. Neben Collonil sind es vor allem Discountmarken.

„Sie haben es geschafft, sich zu diversifizieren“, sagt Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie über BNS. Das Unternehmen bietet alle Furnituren an und ist damit breiter auf dem Markt vertreten als Wettbewerber, die nur Schuhpflegemittel anbieten. Es stellt außerdem nicht nur unter eigenem Namen her, sondern auch für Eigenmarken großer Schuhhersteller wie Adidas, Gabor und Mephisto. Kauft man zum Beispiel für die neuen Sneaker das Imprägniermittel von Adidas Sports, bekommt man ein Produkt von BNS.

Während ein Schuhputzschwamm 95 Cent kostet, liegt das teuerste Produkt bei knapp 300 Euro, eine mit Pflegeprodukten gefüllte Kiste. „Besonders gefragt sind in letzter Zeit Schuhspanner aus Zedernholz, denn sie dienen dem Werterhalt der Schuhe“, berichtet BNS-Geschäftsführer Frank Sauter. Nach eigenen Angaben setzen sich die Erlöse zu je ungefähr 40 Prozent aus dem Verkauf der Einlegesohlen und dem der Pflegemittel zusammen; das restliche Fünftel stammt aus dem Vertrieb der Schuhspanner und anderem Zubehör.

BNS stellt seine Produkte nach eigener Aussage zu etwa 80 Prozent selbst her, in Werken verschiedener Gesellschaften, die alle verbundene Unternehmen sind. Die Einlegesohlen kommen aus Polen, die Schuhpflegeprodukte aus Österreich und die Schuhspanner aus Deutschland.

„Jemand, der auf sein Aussehen Wert legt, viel draußen ist und einen gewissen Sinn für Mode hat.“ So beschreibt Sauter den idealen Kunden. Der Schuhfachhandel habe eher konservative Kunden im Alter von 20 bis 80 Jahren, erklärt BNS-Marketing-Managerin Birgit Rohnstock. Die Sneaker-Geschäfte hingegen verkaufen größtenteils an ein jüngeres, oft männliches Publikum.

Sneaker und Turnschuhe sind seit Jahren sehr angesagt. Doch selbst wenn man für ein Paar 150 Euro zahlt, denken viele nicht so sehr an die Pflege der Schuhe. Viele Jugendliche waschen ihre Sneaker in der Waschmaschine, anstatt sich mit wirklicher Schuhpflege zu befassen. Man könnte deshalb meinen, dass der Trend zum Sneaker dem Markt für Schuhfurnituren zusetzt. Doch dem ist nicht so.

Auf die Frage, woran das liegen mag, antwortet Sauter: „Ich glaube, jeder Trend löst auch einen Gegentrend aus.“Dazu gehören jene, die den Sneaker-Trend nicht mitmachen und ihm mit langlebigen, gepflegten Schuhen entgegentreten. Gemeint sind auch die, die gerne Sneaker tragen, doch zu besonderen Gelegenheiten mit hochwertigen Schuhen glänzen wollen.

Der Geschäftsführer berichtet von einer Verlagerung der Bedürfnisse in den vergangenen Jahren. Da Sneaker im Vergleich zu anderen Schuhen nur eine kurze Lebensdauer haben, kauft man für sie andere Produkte: Einlegesohlen, Schnürsenkel und Reinigungsmittel, um die Farben sauber und den Komfort aufrechtzuerhalten. Auch das sorgt dafür, dass der Markt für Schuhfurnituren stetig gewachsen ist. Hinzu kommen neue Materialien, für die man neue Pflegeprodukte braucht – auch das bietet BNS die Chance, sich weiterzuentwickeln.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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