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Ostheimer stellt Holzspielzeug mit sehr hohem pädagogischen Anspruch her.

F.A.Z.

19.03.2018

Tom Gensel

Goethe-Gymnasium Ludwigsburg, Ludwigsburg

Viele Kinder und Erwachsene kennen das Holzspielzeug von Ostheimer; sehr bekannt sind die Krippenfiguren. Die Margarete Ostheimer GmbH aus Zell unter Aichelberg in Baden-Württemberg gehört zu den größten Unternehmen der Branche in Deutschland. Durch den Rohstoff Holz will das Unternehmen ein Bewusstsein des Kindes für die Natur schaffen. Und in ihm die Liebe zur Umwelt wecken - durch harmonische Eindrücke von Mensch und Tier. So wird Margarete Ostheimer, die Seniorchefin des Unternehmens, die das Unternehmen maßgeblich geprägt und aufgebaut hat, in einer Unternehmensbroschüre zitiert.

Spielzeug von Ostheimer basiert auf Waldorfpädagogik. "Diese Pädagogik bestimmt die künstlerische Gestaltung jeder Figur, die das Gelände von Ostheimer verlässt", sagt die Geschäftsführerin Sibylle Engstrom. Die Pädagogik besagt, dass das Kind vom ersten bis siebten Lebensjahr ganz in der Nachahmung seiner Umwelt lebt und sich diese zum Vorbild nimmt. "Alles wirkt unmittelbar und ungefiltert auf das Kind und beeinflusst seine seelische und körperliche Verfassung im Positiven wie Negativen", erklärt Engstrom. Das gelte ganz besonders für das Spielzeug; es sei für die ganze Entwicklung prägend.

Man verwendet Ahornholz, weil es sich wegen seiner Farbe und Härte für das Bemalen besonders gut eigne. Neben Hampelmännern und beweglichen Wandbildern werden vor allem die bekannten Massivholzfiguren hergestellt. 1967 bestand die Kollektion aus gut 70 Artikeln, 1982 aus etwa 250 Artikeln und heute aus rund 500. "Es arbeiten etwa sechzig festangestellte interne Mitarbeiter und mehr als hundert externe Heimarbeiter für uns", berichtet Engstrom.

Die Figuren würden von Hand gefertigt, um eine lebendige Wirkung zu entfalten. Zuerst werden die Umrisse auf ein Holzbrett gestempelt. Dann wird die vorher aufgestempelte Silhouette ausgesägt. Anschließend wird die Oberfläche geglättet. Dann wird geschliffen - die Gestalt der Figur wird herausgearbeitet. Beim Bemalen verwendet man transparente Farben, die das Holz nicht überdecken, sondern seine Struktur zur Geltung kommen lassen.

Der Geschäftsführung nach werden jedes Jahr rund eine Million Figuren gefertigt und dafür rund 700 Kubikmeter Holz verarbeitet. Man erziele einen Umsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich. Mit Krippenfiguren erwirtschafte man etwa ein Drittel des Umsatzes. Zu den meistverkauften Figuren zählt von jeher die "Heilige Familie". Ein 10,5 Zentimeter hoher kniender Hirte kostet rund 30 Euro. Neben dem Fachhandel, in dem das Sortiment erhältlich ist, bietet auch die Drogeriekette DM jedes Jahr etwa sechs Einzelfiguren an. Nach Unternehmensangaben macht der Export, nicht nur in das europäische Ausland, sondern auch in die Vereinigten Staaten, Japan und Südkorea, gut ein Zehntel des Umsatzes aus.

Laut der Geschäftsführerin kaufen hauptsächlich Eltern und Großeltern die Holzspielzeuge. Man habe aber vor allem in der Altersgruppe der 24- bis 34-Jährigen, also unter jungen Familien, neue Kunden hinzugewonnen. Vor allem Frauen kauften die Produkte. Man freut sich außerdem über viele Sammler, deren Anteil an der Kundschaft auf 25 bis 30 Prozent geschätzt wird.

Das Unternehmen wurde 2001 in die Walter und Adeline Ostheimer Stiftung eingebracht, da es Margarete Ostheimer wichtig war, keine Gewinne anzuhäufen, sondern diese wieder in den Kreislauf des gesellschaftlichen Zusammenlebens zurückzugeben.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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