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Reporter reden in den Wind

Schutzhülsen für Mikrofone, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, stammen oft aus Brakel.

F.A.Z.

7.09.2017

Lea Kienzle

Max-Planck-Gymnasium, Lahr

Unternehmenschef Archibald Schulze-Cleven drückt der Besucherin einen Kugelschreiber in die Hand. Sie pustet dagegen, und es sind deutliche Windgeräusche zu hören. Nun versucht sie es ein weiteres Mal. Diesmal ist der Kugelschreiber durch eine Schaumstoffhülse geschützt. Man hört kein Geräusch mehr. „Es handelt sich um retikulierten Schaumstoff, der die Wind- und Ploppgeräusche deutlich vermindert“, erklärt der Geschäftsführer. „Gleichzeitig wird der gute Ton durchgelassen.“ Das Institut für Rundfunktechnik in München hat der Schulze-Brakel Schaumstoffverarbeitungs GmbH die hohe Qualität der Akustik bestätigt.

Windschütze heißen die Schaumstoffummantelungen von Mikrofonen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Das Familienunternehmen wächst, weil nicht mehr nur Radio- und Fernsehsender ihr Logo auf den Mikrofonen zeigen möchten; Unternehmen wollen so ebenfalls auf sich aufmerksam machen. Mittlerweile werden Firmenveranstaltungen, zum Beispiel von Nutella oder Porsche, mit eigenen Windschützen ausgestattet. Auch dürften die Reporter während eines Uefa-Cup-Spiels nur Windschütze mit dem Uefa-Logo benutzen, erzählt die Vertriebsleiterin von Schulze-Brakel, Susanne Jansen.

Die Brakeler verkaufen rund 50000 Windschütze im Jahr. Einer kostet zwischen 20 und 60 Euro. Das Unternehmen erzielt nach eigenen Angaben mit 35 Mitarbeitern einen Jahresumsatz im unteren siebenstelligen Bereich. Seinen Anteil am Markt für dekorierte Windschütze schätzt Schulze-Cleven auf 75 Prozent in Deutschland. 70 Prozent der Waren gehen ins Ausland. Bisher habe man in mehr als achtzig Länder geliefert und sei Weltmarktführer.

Beim Rundgang zeigt Schulze-Cleven, wie Maschinen aus Schaumstoffblöcken kleine Würfel schneiden. In CNC-Maschinen werden sie computergesteuert in Form gefräst. Danach werden die Teile gefärbt oder beflockt. Alle Maschinen sind Eigenentwicklungen. Die Logos werden von Hand aufgebügelt, manche verkehrt herum. „Die sind für einen Radiosender. Dort hängen die Mikrofone von der Decke“, erklärt Schulze-Cleven.

Früher produzierte das Unternehmen unter anderem Ausrüstung und Bekleidung für die Bundeswehr. In der Spitze beschäftigte es bis zu 300 Mitarbeiter. 2002 stand es fast vor dem Aus. Die Bundeswehr monierte die Qualität von 17000 Rucksäcken und nahm sie nicht ab. Bestärkt durch den Erfolg mit den Windschützen, die man für die ARD und das ZDF entwickelt hatte, konzentrierte man sich auf diesen Bereich. 70 Prozent des Umsatzes werden mit dekorierten Windschützen erzielt, 30 Prozent mit Schaumstoffschläuchen für die Autoindustrie und Ohrpolstern für die Headsets von Piloten.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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