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Manche Anschaffung ist zu überschlafen

Bierbaum ist Deutschlands größter Bettwäschehersteller. Die Produkte werden vor allem hierzulande und in Österreich verkauft – aus gutem Grund.

F.A.Z.

1.06.2017

Estelle Wöhrmann

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Die Bierbaum Wohnen GmbH & Co. KG mit Hauptsitz im westfälischen Borken stellt Bettwäsche und Reinigungstücher her. Nach Angaben von Geschäftsführer Jan-Frederic Bierbaum ist man Deutschlands größter Bettwäschehersteller und Europas größter Textildrucker. „Geschlafen und geputzt wird immer. Entsprechend stabil sind die Absatzmengen in Deutschland, unabhängig davon, wie es mit der sonstigen Wirtschaft aussieht“, sagt Bierbaum. Das Unternehmen hat 700 Mitarbeiter, davon 450 in Deutschland. „Die Firma wurde 1895 von meinem Urgroßvater gegründet“, erzählt Bierbaum. Sie wachse jedes Jahr um 5 bis 10 Prozent.

Man wachse im Bereich Bettwäsche, weil durch die Automatisierung der Anteil der wieder in Deutschland hergestellten Bettwäsche steige. Im Segment Reinigungstücher wachse das Unternehmen im Ausland. Bei den Reinigungstüchern wird von der Faser bis zum fertigen Produkt alles selbst hergestellt, bei der Bettwäsche alles ab dem Garn. Dazu gehört beispielsweise die Vorbehandlung der Stoffe, aber auch das Bedrucken mittels Digital- und Rotationsdruck.

Die Labels mit Namen wie Bierbaum Wohnen, Smail, Go2bed, Tabaluga und Coppenrath unterscheiden sich vor allem im Design. Im Bereich Bettwäsche hat man fünf Hauptqualitäten im Angebot: Satin, Renforcé, Seersucker, Biber und Jersey. Im Unterschied zu den gewebten Qualitäten Satin, Renforcé, Seersucker und Biber handelt es sich bei Jersey um ein Gestrick, das wegen seiner Machart fast bügelfrei ist. Bei den anderen Materialien muss dem Wunsch des Endverbrauchers nach einer leichten Pflege durch spezielle Behandlungen Rechnung getragen werden. So wird Seersucker streifenweise gekreppt; und Biber wird geraut, damit es seinen flauschigen Charakter erhält.

Beliefert werden oft Discounter. Im oberen Bereich wird das Sortiment durch das Tochterunternehmen Irisette und die Lizenzmarke Strenesse abgerundet. „Da die Bettwäsche in Deutschland in Bezug auf Qualitäten, Breiten und Konfektionsart ganz anders ist als in anderen Ländern, wird sie im Wesentlichen in Deutschland und Österreich verkauft“, erklärt Bierbaum. In Deutschland vertreibt man überwiegend Bettwäsche aus Baumwolle als Set mit Bett- und Kissenbezug. Bezug und Kopfkissen seien mit einem praktischen Reißverschluss konfektioniert. Im Gegensatz dazu würden Kissen in den Niederlanden mit einem Hotelverschluss und Bezüge mit einem sogenannten Flap oder Instopstrook konfektioniert, um den Bezug unter der Matratze zu fixieren. In der Schweiz würden Bezüge und Kissen fast ausnahmslos als Einzelteile separat angeboten. Die Kissengrößen in den europäischen Ländern unterschieden sich stark von den hierzulande üblichen 80 mal 80 oder 40 mal 80 Zentimetern.

Für Gesundheit und Umwelt sei es wichtig, dass die Bettwäsche mit schadstofffreien Farben und Chemikalien behandelt werde. Gesichert sei dies aber nur bei einer Produktion in Deutschland, glaubt der Geschäftsführer. In vielen Teilen dieser Welt würden immer noch krebserregende Chemikalien eingesetzt. Auch würden vielerorts für günstige Produkte Flüsse vergiftet, was der Bevölkerung die Lebensgrundlage entziehe. In den neuen Druckmaschinen von Bierbaum würden hingegen mehrere Verfahrensgänge energiesparend zusammengefasst, und durch eine Wiederverwendung der Restfarben werde die Abwasserbelastung reduziert.

Bierbaum produziert nach eigenen Angaben jeden Tag 20000 Bettwäschegarnituren. 65 Prozent des Umsatzes von 112 Millionen Euro werde mit Bettwäsche erwirtschaftet. Die Exportquote beträgt 15 Prozent. Trends seien skandinavisch reduziert, Exotic, Vintage-Look und die Farbe Greenery, auf Deutsch „Grünzeug“.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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