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Kein Wissen ist unantastbar

Zeutschel stellt Scanner her, die in den großen Bibliotheken der Welt verwendet werden.

F.A.Z.

8.06.2018

Mikolas Schmitt

Wentzinger-Gymnasium, Freiburg

Wie wird aus einem analogen Pergamentstapel eine digitale Version, die von überall auf der Welt eingesehen werden kann? Das weiß die Zeutschel GmbH aus Tübingen-Hirschau – sie stellt Scansysteme her. Mitte der neunziger Jahre entwickelte man das erste berührungsfreie Scansystem für gebundene Vorlagen, wie Jörg Vogler, Geschäftsführer und Inhaber von Zeutschel, berichtet. „90 Prozent der heute verkauften Produkte sind Scansysteme.“ Von den rund 12 Millionen Euro Jahresumsatz macht das Unternehmen nach eigenen Angaben 75 Prozent im internationalen Geschäft. Gefertigt wird in Deutschland, und fast alle Bauteile der Scanner kommen von hier. Jährlich werden rund 1500 Scansysteme verkauft.

„Zeutschel hat zusammen mit Kodak den ersten Buchscanner auf den Markt gebracht“, sagt Vogler. „Auch war der erste Scanner zur Farbdigitalisierung, der mit einer Scangeschwindigkeit von weniger als 10 Sekunden als Produktionsscanner eingesetzt werden konnte, von Zeutschel.“ Das Unternehmen sei Weltmarktführer im Bereich der Overheadscanner. „Noch vor zehn Jahren teilte sich der Markt auf ein paar wenige Unternehmen auf. Heute sind es mehr als dreißig, Tendenz steigend.“ Den eigenen Marktanteil schätzt der Geschäftsführer auf „mehr als 50 Prozent auf dem deutschen und auf nur noch 15 bis 20 Prozent auf dem internationalen Markt“.

Die Scanner arbeiten mit der Overheadmethode, einem berührungsfreien Scansystem, bei dem der Scanner das Objekt von oben abtastet. Das Objekt, zum Beispiel ein Buch, liegt mit dem Rücken nach unten auf dem Scannertisch. Die Kamera wird über die Vorlage bewegt; es entsteht ein zweidimensionales Bild von sehr hoher Auflösung. „Es können auch die topographischen Daten des zu scannenden Objektes erfasst und bei Bedarf korrigiert werden. Mit dieser Information lassen sich zum Beispiel auch die gewölbten Seiten eines aufgeschlagenen Buches eben im Bild wiedergeben“, erklärt der Technische Leiter, Volker Jansen. Die Scanner verwenden LED-Weißlicht; dieses arbeitet ohne UV- oder Infrarotstrahlung. Nach Jansens Angaben sind ultraviolette Strahlung und auch Infrarotstrahlung, wie sie zum Beispiel im Blitz eines normalen Fotoapparates verwendet wird, vor allem für ältere Dokumente schädlich; sie bleichen aus. Zur Produktpalette gehören Farbscanner und Kopierer. Die Scanner kosten zwischen 10 000 und 100 000 Euro.

Für die Zukunft sieht man sich gut gerüstet; die Übertragung von analogen in digitale Daten werde weitergehen. „Solange es Papier und ähnliche analoge Dokumente gibt, wird es auch Scanner geben“, sagt Vogler. Derzeit wachse der Markt für Overheadscanner um 15 Prozent. Achim Carius, Geschäftsführer des Fachverbands für Multimediale Informationsverarbeitung, sagt: „Aufgrund von hohen Lagerkosten für Akten und aus Gründen der Zweckmäßigkeit wie inhaltlicher Erkennung und Volltexterschließung werden immer mehr Akten aus Behörden- und Unternehmensbeständen digitalisiert.“ Er sieht sogar einen „Scanning-Boom“.

Kunden von Zeutschel sind hauptsächlich große Archive, Bibliotheken und Behörden. Zu den renommiertesten internationalen Kunden gehören die Bibliothek des amerikanischen Kongresses – die Bibliothek mit den meisten Exponaten auf der Welt –, die Bibliothek der Harvard-Universität sowie die französische und die chinesische Nationalbibliothek. Auch in der British Library ist man mit den Zeutschel-Scannern zufrieden, wie deren Digitalisierungs-Support-Manager David Stevens sagt. Zu den größten deutschen Kunden gehören die Bayerische Staatsbibliothek in München und die Staatsbibliothek zu Berlin.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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