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Irgendwann hat man von allem genug

Ein Umweltunternehmen in Costa Rica bietet einen ungewöhnlichen Urlaub an.

F.A.Z.

3.05.2018

Simon Fischer

Ocean College GmbH, Berlin

Nachhaltig leben, sich selbst versorgen und die Umwelt schützen: Wovon viele träumen, hat Carsten Tiemann geschafft – mit seinem ungewöhnlichen Unternehmen Planet One World, das sich im costa-ricanischen Regenwald befindet. „Als ich vor 17 Jahren hier ankam, war die Fläche eine Rinderweide“, erzählt Tiemann. Alles musste aufgebaut werden, vom eigenen Haus bis zur Anbaufläche. Dabei versucht Tiemann so viel wie möglich selbst herzustellen und eigene Produkte zu vermarkten. Verarbeitet werden die Rohstoffe, die auf der Farm produziert werden. Außerdem bietet Tiemann „Voluntourismus“ an, eine Mischung aus Urlaub und Hilfseinsätzen für die Umwelt.

Tiemanns Ziel ist nicht die Erhöhung seines Kontostands, sondern eine nachhaltige Lebensweise. Dafür kämpft er gemeinsam mit seiner Familie und der indigenen Bevölkerung der Bribri. „80 Prozent meines Lebens, das Leben meiner Familie und auch die Versorgung der Gäste können durch die nachhaltige Farm gedeckt werden, sei es Nahrung, Energie, Wasser oder Baumaterialien.“

Das Anbauprinzip von Planet One World basiert auf den Erkenntnissen von Masanobu Fukuoka, einem japanischen Agrobiologen, dessen Arbeiten Tiemann in Japan studiert hat. Es geht um „Natural Farming“: Ein hoher Ertrag soll erzielt und gleichzeitig der Boden geschützt werden. Man verfolgt das Prinzip der Permakultur. Diese Art des Anbaus soll einen permanenten Ertrag liefern, was Monokulturen ausschließt. Die Ertragsmengen sind überschaubar, dafür aber ganzjährig.

Jedes Gewächs wird bewusst ausgewählt. „Die Gemüsesorten und das Obst verwenden wir selbst zum Essen. Die Heckenpflanzen werden gestutzt und an unsere Tiere verfüttert oder als Baumaterial für neue Ställe oder Gewächshäuser verwendet“, berichtet Tiemann. Das alles funktioniert ohne chemischen Dünger. Der Dünger wird selbst hergestellt, durch Pflanzenschnitt, der in einem großen Wassertank vergoren wird. Man findet auf der Farm mehr als achtzig verschiedene Obstbäume, Nutzpflanzen und Heilpflanzen. Was nicht zur Selbstversorgung verwendet wird, wird als Marmeladen, Fruchtweine oder Tierfutter genutzt oder weiterverkauft.

Der zweite große Tätigkeitsbereich ist der Voluntarismus, die Mischung aus Urlaub und Freiwilligendienst. Ein Tourist kann eine Unterkunft mit Vollverpflegung bekommen und das zu einem günstigen Preis. Ein Schlafzimmer mit Blick auf die Kronen des Regenwalds. Aufwachen durch das Brüllen der Affen, die am Morgen durch die Bäume springen. Die Volunteers helfen den Mitarbeitern beim Pflegen der Anbauflächen, sie erlernen die Philosophie des nachhaltigen Anbaus und beteiligen sich aktiv am Regenwaldschutz. Die Arbeit ist leichte bis mittelschwere Gartenarbeit, denn auf Maschinen verzichtet Planet One World komplett. Die Freiwilligen erhalten einmalige Einblicke in die Tierwelt und eine individuelle Betreuung durch indigene Fachleute, die Touren durch den Regenwald anbieten.

Ein Monat im costa-ricanischen Regenwald kostet 675 Dollar und beinhaltet die volle Verpflegung. Ab drei Monaten ist die Unterkunft für 300 Dollar zu haben. Vom Biologieprofessor bis zum Studenten, vom Pensionär bis zum abenteuerlustigen Freigeist – es seien schon viele verschiedene Menschen zu Gast gewesen, erzählt Tiemann bei einem selbstgeernteten Magenbittertee. Spanisch lernen gibt es gratis dazu, denn außer Tiemann spricht hier keiner Deutsch. Das Projekt Voluntourismus sei erst angelaufen, berichtet Tiemann. Es kommen etwa sieben Gruppen im Jahr. Sie können eine Größe von bis zu zwanzig Personen haben. Die deutschen Gruppen blieben meist am längsten, sogar mehrere Monate, die amerikanischen oder kanadischen oft nur eine Woche. Tiemann erwirtschaftet mit dem Voluntourismus erst einen Umsatz von 13000 Dollar im Jahr. Sieben Personen können vor Ort davon leben – und von den eigenen Produkten der Farm.

Das Grundstück hat eine Größe von 35 Hektar und beinhaltet einen Regenwald. Dessen Schutz betreiben indigene Ranger und Volunteers, indem sie das Gebiet ablaufen und beobachten. Das bedeutet einen Fußmarsch von acht bis zehn Stunden. Dabei werden abgeholzte Bäume und Wildereien notiert und der Polizei gemeldet. Dieser Naturschutz wird in enger Zusammenarbeit mit dem Indianerreservat der Bribri durchgeführt, die ein Interesse am Erhalt der Naturheilpflanzen und der ursprünglichen Flora und Fauna haben. Mittlerweile ist ein Bribri-Indianer fest bei Planet One World angestellt. Durch die mühevolle Arbeit der Volunteers und der Ranger ist die Wilderei zurückgegangen.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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