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Ein Ende mit Schnecken

Ein neues Mittel bekämpft einen Feind im Garten, indem es eine biologische Schutzbarriere bildet.

F.A.Z.

5.10.2017

Stina Kaerkes

Max-Planck-Schule, Kiel

Alljährlich macht sich im späten Frühjahr in großer Zahl die braune Nacktschnecke über Beete und Blumen her. Dank der 27 Jahre alten Biologin Nadine Sydow gibt es nun ein neues Abwehrmittel: Schnexagon bildet eine biologische Schutzbarriere, die die Schnecken nicht überwinden können. Der Einsatz vieler anderer Mittel hat Tücken. So ist die Wirkungsdauer von duftstoffbasierten Abwehrmitteln nur kurz. Der Einsatz von Fallen mit Lockstoffen wie Bier birgt das Risiko, dass weitere Schnecken in den Garten einwandern. Und der Krieg mit der chemischen Keule fordert oftmals Opfer unter anderen Tieren wie Igeln und Vögeln.

Das neue Mittel ist das Ergebnis vieler Versuche. „Schnecken können ihr Klebsekret an die verschiedensten Untergründe anpassen“, erklärt Sydow. Rund 400 Testmaterialien einschließlich Teflon und Lotus aus dem Fundus des biologischen Instituts der Christian-Albrechts- Universität in Kiel, an denen selbst Spinnen scheiterten, stellten für die Schnecken kein Problem dar. Dann kam Sydow und dem Materialwissenschaftler Sandro Böhm der Zufall zu Hilfe.

Als sie mit besonders offenporigen Tensidmischungen auf Gipsbasis experimentierten, bildete sich statt einer rauhen eine glatte Oberfläche, welche die Schnecken nicht überwinden konnten. „Unser Material verwirrte die Schnecken mit widersprüchlichen Informationen, sie rutschten ab wie auf Seife“, erläutert Sydow.

Sydow und Böhm meldeten das Produkt zum Patent an, und nach neun Monaten und Kosten von 2000 Euro hielten sie die Urkunde in Händen. Kurz danach wollte ein Hersteller von Schneckenkorn das Patent erwerben. Doch er wollte das Produkt gar nicht auf den Markt bringen, sondern nur Wettbewerb vermeiden. Also stellte sich Sydow der Herausforderung einer Unternehmensgründung. Über ein Crowdfunding kamen in zwei Monaten 18000 Euro zusammen, die Interessenten für die Garantie, später das fertige Produkt zu erhalten, überwiesen. Das restliche Startkapital steuerte Peter Rehders bei, ein ehemaliger Juror des Start-up- Wettbewerbs der K.E.R.N.- Region, in dem Sydow den zweiten Platz erreichte. Rehders erhielt 10 Prozent an der neuen Solvoluta GmbH in Kiel. Kürzlich konnten Sydow und Rehders in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ einen weiteren Investor gewinnen: Ralf Dümmel, den Geschäftsführer des Handelsunternehmens DS Produkte.

Schnexagon wurde weiterentwickelt und wird nun nicht auf Gipsbasis, sondern auf Basis von Naturholzölen in einer Holzölmanufaktur in Sehestedt am Nord-Ostsee- Kanal hergestellt. „Die neue Formel ist komplett unbedenklich für jedes Lebewesen und inzwischen ein sehr wetterfester, fast transparenter Lack, der keine Hürde für nützliche Insekten wie Bienen oder Ameisen darstellt“, sagt Miterfinder Böhm.

Für den Vertrieb schloss man mit der Lugato GmbH & Co. KG aus Barsbüttel eine Vereinbarung, die den Zugang zum großen Segment der Baumärkte eröffnete. 2016 kam das Produkt in Dosen zu 375 Milliliter in 200 Hornbach-Geschäften auf den Markt; 15000 Dosen wurden im ersten Jahr verkauft. Der Preis beträgt rund 20 Euro. Weitere Baumarktketten haben nachgezogen. Derzeit läuft die Produkteinführung in der Schweiz, Österreich und Frankreich. Zum Beginn der Schneckensaison im Mai 2017 wurden laut Sydow die Verkaufszahlen des Vorjahres schon übertroffen.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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