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Dieser Stern ist dem Fahrer nicht schnuppe

Woher kommt eigentlich der Mercedes-Stern?

F.A.Z.

1.03.2018

Lisa Eckhardt

Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal

In der Region Velbert-Heiligenhaus nahe Düsseldorf haben sich viele Unternehmen auf Schließsysteme für Autos und Häuser spezialisiert. Das gilt auch für die Witte Niederberg GmbH in Wülfrath. In der Nachkriegszeit erhielt die Friedrich Fingscheidt GmbH, die 2008 von der Witte-Gruppe gekauft wurde, einen besonderen Auftrag: die Fertigung der Mercedes-Sterne. Sie werden nun seit mehr als siebzig Jahren in Wülfrath produziert. Witte beschäftigt 4900 Mitarbeiter und ist, wie Geschäftsführer Burkhard Erkens erläutert, ein Autozulieferer, der viele tausend Produkte herstellt, zum Beispiel Türaußen- und Türinnengriffe, Griffleisten, Türverriegelungen, Schiebetürantriebe und Türschlösser. Der Umsatz der Gruppe betrug 2017 rund 670 Millionen Euro.

Die Witte Niederberg GmbH ist auf Stanztechnik und Druckgießen spezialisiert, und laut Erkens ist der Mercedes-Stern, obwohl er nur 1,5 Prozent des Umsatzes der GmbH von 70 Millionen Euro ausmacht, wegen der großen Bekanntheit sehr bedeutend. In Wülfrath arbeiten rund 260 Mitarbeiter, nur acht widmen sich der Herstellung des Mercedes-Sterns. Die fertigen Sterne werden vor der Auslieferung an die Kunden genauestens überprüft. „Für uns ist es wichtig, dass das Erscheinungsbild des Sterns mängelfrei ist“, sagt der Geschäftsführer.

Der Stern hat einen Durchmesser von nur 7,6 Zentimetern, jedoch steckt viel Arbeit in ihm. Das Ausgangsmaterial ist eine Legierung, die aus Zink, Aluminium, Magnesium und Kupfer besteht. Sie liegt zuerst in größeren Barren vor, die dann eingeschmolzen werden. Danach wird der Stern bei 420 Grad gegossen. Nach diesem Schritt stehen aber noch einige Reste, der sogenannte Anguss, am Rand über. Er wird abgeschnitten und abermals eingeschmolzen. Danach wird das Symbol der deutschen Nobelmarke geschliffen, poliert und galvanisiert: mit einer Chromschicht überzogen.

Bevor der Stern montiert wird, wird er noch einmal genau unter die Lupe genommen. Falls sich unter der Chromschicht noch kleinste Bläschen oder sonstige Fehler abbilden, wird der Stern weggeworfen, da die verchromte Legierung nicht mehr verwendbar ist. Man lasse nur erfahrene Mitarbeiter an dem Prestigeprojekt arbeiten, sagt Erkens.

Bei der Montage wird der glänzende Stern in seinen Fuß, der mit einem Kugelgelenk ausgestattet ist, eingesetzt. Diese Vorkehrung dient dem Fußgängerschutz, denn bei einem Unfall muss der Stern einklappen.

In den neunziger Jahren wurden laut Erkens bis zu 650000 Sterne im Jahr ausgeliefert. Lange Zeit war der Stern ein begehrtes Diebstahlobjekt und deshalb das meistverkaufte Ersatzteil. In den vergangenen Jahren fand ein kontinuierlicher Rückgang statt, im vergangenen Jahr produzierte das Werk in Wülfrath nur noch 250000 Stück. Dieser Rückgang ist hauptsächlich damit zu erklären, dass inzwischen viele Mercedes mit einer Plakette des Kultsymbols auf der Haube oder einem Stern im Kühlergrill ausgeliefert werden, die jedoch nicht in Wülfrath hergestellt werden.

„Die Menge der produzierten Sterne wurde weniger, da sich das Design der Autos stetig verändert. Nicht mehr bei allen Modellen lässt sich der stehende Stern im geänderten Design integrieren“, erklärt Erkens. Dann zeigt er auf eine Glasvitrine, die eine Aufreihung der Sterne beinhaltet: von 1965 bis zum aktuellen Design. Die Unterschiede sind deutlich zu erkennen, auch wenn jeweils nur geringfügige Änderungen vorgenommen wurden. „Den stehenden Stern tragen aktuell nur noch die S-, E- und C-Klassen, je nach Ausstattung des Modells“, berichtet Erkens. Die Witte Niederberg GmbH stellt auch das Maybach-Logo her, wegen der Exklusivität des Fahrzeugs aber nur rund 250 Exemplare im Jahr.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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