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Die Gäste schlucken nur

Die Friedhelm Selbach GmbH stellt die Zapfanlagen für die Aida-Kreuzfahrtschiffe her.

F.A.Z.

2.11.2017

Florian Förster

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Wer mit einem „Aida“-Kreuzfahrtschiff in die Weltmeere aufbricht, der wird mit frisch gekühlten Getränken aus einem in Deutschland hergestellten Zapfhahn versorgt. Er stammt aus Radevormwald in Nordrhein-Westfalen und wurde von der Friedhelm Selbach GmbH hergestellt. Seit mehr als dreißig Jahren produziert das Unternehmen Systeme zum Getränkeausschank – nicht nur für Kreuzfahrtschiffe, sondern auch für Stadien, Kinos und die Gastronomie. „Für die „Aida“-

Schiffe mussten die Geräte eins zu eins passen und direkt einbaubar sein“, erzählt Christoph Weiland, Verkaufsleiter von Selbach. Die Anlagen wurden auf den Werften in Südamerika und Asien eingebaut; deshalb durfte kein Teil fehlen oder nicht passen. Das Unternehmen sei deutscher Marktführer im Bereich der Kühl- und Ausschankanlagen, sagt der Geschäftsführer Torsten Selbach. Angefangen hat alles damit, dass sein Vater nach einer Möglichkeit suchte, Getränke unmittelbar an der Ausschankanlage zu kühlen. „Er wickelte Metallrohre zu Spulen und legte diese in einen mit Eis gefüllten Kasten“, berichtet der Sohn.

„Der Unterschied der Anlagentypen liegt vor allem in den Höhen der kontinuierlichen Zapfleistung und der Kühlleistung der Geräte“, erläutert Selbach. Die Kühlleistungen beginnen bei 18 bis 20 Litern je Stunde und können bei großen Anlagen bis zu 1000 Litern betragen. Die 69 Mitarbeiter des Marktführers stellen jährlich rund 12000 Produkte her. Eine größere Zapfanlage samt Kühlanlage für Bier und Softdrinks für eine Bar oder ein Restaurant kostet bis zu 5000 Euro. Bei der Konzipierung der Anlagen komme es vor allem auf die Getränke an, die der Kunde ausschenken möchte, sowie auf den späteren Anwendungsort und die dortigen baulichen Gegebenheiten, sagt Selbach.

Etwa die Hälfte aller verkauften Systeme sind für den Ausschank von Bier ausgelegt. Am gefragtesten sind Anlagen, an die man nur noch das Fass anschließen muss. 30 Prozent sind Anlagen für alkoholfreie Kaltgetränke und 20 Prozent Erwärmungs- und Ausschankanlagen für Heißgetränke. Sie kommen auf Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland zum Einsatz, in ihnen wird Glühwein, Jagertee und Punsch erhitzt. Dies sei gar nicht so einfach, sagt Selbach, da der Geschmack der Getränke nicht verlorengehen und der Alkohol nicht verkocht werden dürfe. Daher werden sie durch eine besondere Methode schonend erhitzt.

Der schnelle Ausschank, den die Zapfsysteme ermöglichten, sei vor allem in Stadien wichtig, sagt Verkaufsleiter Weiland. „Wenn in der fünfzehnminütigen Halbzeitpause der Bedarf nach Getränken in kurzer Zeit sehr hoch ist.“ Eingesetzt werden die Anlagen zum Beispiel in Bochum, Karlsruhe, Kaiserslautern und auf Schalke. Selbach exportiert nach eigenen Angaben in mehr als vierzig Länder; die Exportquote liege bei 30 Prozent.

Vor allem durch die Zusammenarbeit mit großen Brauereien wie Krombacher und Softdrinkherstellern wie Pepsi und Coca-Cola steige auch die Nachfrage. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 12 Millionen Euro, etwa 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In der Entwicklung neuer Produkte spielen auch klimatische Bedingungen eine große Rolle. So müssen Geräte für Skihütten anders konzipiert werden als Getränkekühlanlagen für Sommerveranstaltungen. Eine solche Veranstaltung ist das Wacken Open Air Festival, auf dem am ersten Augustwochenende mehr als 75000 Heavy-Metal-Fans gefeiert haben. Dort kam eine besondere Anlage zum Einsatz: Sie füllte bei einem Zug am Zapfhahn ganze zehn Getränkebecher.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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