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Ab in den Westen

Marinepool kümmert sich um des Seglers Sicherheit.

F.A.Z.

5.04.2018

Linus Ziegler

Pestalozzi-Gymnasium, München

Egal ob Sportjolle oder Superyacht, ein Unternehmen ist oft im Spiel: die Marinepool Sportartikel GmbH & Co. KG aus Planegg/Martinsried. Sie hat sich im mittleren bis leicht gehobenen Preissegment positioniert. Der Komplettausstatter ist nach eigenen Angaben einer der auf der Welt führenden Segelbekleidungs- und Rettungswesten-Produzenten.

Alles begann Ende der achtziger Jahre. Die Brüder Stefan und Gerhard Eberle sowie Robert Stark fuhren fast jedes Wochenende zu Regatten und wollten sich gleichzeitig ihr Studium finanzieren. So kamen sie auf die Idee, ihren VW-Bus in einen „mobilen Ersatzteilshop“ umzufunktionieren. Bald fingen sie an, kleinere Unternehmen aus dem Wassersport zu vertreten. Parallel hatten sie die Idee, blanke Bootsmasten in der Schweiz einzukaufen, segelfertig aufzurüsten und mit deutlicher Wertsteigerung zu verkaufen. Einmal trafen die mehr als 10 Meter langen Masten ein, als keiner der drei zu Hause war. „Der Fahrer fragte nach der Bootswerft Eberle, und meine Mutter war nahe an einem Nervenzusammenbruch. Letztendlich holte sie alle Nachbarn, um die Masten abzuladen“, erinnert sich Stefan Eberle schmunzelnd.

Der erste Schritt in den Bereich Schuhe ereignete sich aus Zufall: Dem Trio wurden auf einer Messe zwei Container Segelschuhe zu einem Schnäppchenpreis angeboten, die der Empfänger unerwartet nicht abnehmen konnte. Die drei kratzten ihr Geld zusammen und schlugen zu. Ernüchterung stellte sich beim Öffnen der Container ein – viele Schuhe waren verschimmelt. Schnell wurden Schuhcreme und Bürsten gekauft und Freunde und Bekannte zum Putzen eingeladen. So konnten sie letztlich fast alle Schuhe verkaufen.

Noch im Studium gründeten sie Marinepool. „Der Tagesverlauf sah so aus: tagsüber im Büro oder beim Kundenbesuch, nachts mit Fleece-Overalls Pakete gepackt, da in dem Stadl keine Heizung war“, erzählt Eberle. Weil die Lieferanten ihnen irgendwann zu teuer wurden, begannen sie Anfang der neunziger Jahre, in Estland eine eigene Produktion aufzubauen, von Schwimmwesten über Funktionskleidung bis zu maritimer Mode. Man verkauft an maritime Versandunternehmen, größere Filialisten wie Bauhaus oder Globetrotter und Geschäfte in Küstennähe, aber auch direkt über den eigenen Online-Shop und an Organisationen wie Segelvereine und den Rettungsdienst. Ein Spezialsegment ist die Ausstattung von Superyachten; so wurde zuletzt die größte Segelyacht der Welt mit Marinepool-Schwimmwesten ausgestattet.

Am Jahresumsatz von 25 bis 30 Millionen Euro haben laut Eberle Rettungswesten einen Anteil von rund 30 Prozent. Man ist nach eigenen Angaben einer der fünf größten Hersteller von Segelfunktionskleidung. Mit rund 180000 verkauften automatischen Schwimmwesten im Jahr 2017 sei man zudem der größte Hersteller im Rettungsmittelbereich. Marinepool sponsert internationale Regatten und arbeitet mit Autoherstellern wie Audi, BMW und Citron zusammen. In der Unternehmenszentrale arbeiten knapp fünfzig Mitarbeiter.

Doch die Konkurrenz rückt näher. Zu den Rivalen wie Musto, Secumar und Helly Hansen kommen junge Unternehmen wie ZHIK hinzu. Das Unternehmen aus Australien hat sich bei Regattaseglern mit innovativen Produkten einen Namen gemacht. Nun plant es die Erweiterung zum Komplettausstatter. Marinepool will sich langfristig auf innovative Produkte mit Alleinstellungscharakter konzentrieren. Ein Beispiel sei eine Jacke mit integrierter Rettungsweste.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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